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Deutschlernen ganz praktisch

Begegnungstage der Diakonie Schaumburg-Lippe

„Wo rufen wir an, wenn es einen Notfall gibt?“ - „1-1-2!“, schallt es im Chor zurück. Die Frage stellt Margot Denk vom Deutschen Roten Kreuz. Sie gibt heute auf einer Wiese vor der Freizeit- und Tagungsstätte „Schloss Baum“ in Bückeburg einen Erste-Hilfe-Kurs. Das Besondere: die Teilnehmenden sind Geflüchtete und ihre ehrenamtlichen Deutschlehrer/-innen. Sie verbringen gemeinsam eine Begegnungswoche im „Schloss Baum“. „So können wir uns gegenseitig nochmal in einem anderen Kontext, abseits des Unterrichts, kennenlernen“, erklärt Christa Harms. Sie ist Koordinatorin für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in der Diakonie der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe und hatte die Idee zur Begegnungswoche. „Doch das ist kein Urlaub, sondern wir lernen gemeinsam Nach dem gemeinsamen Frühstück gibt es einen Deutschkurs, am Nachmittag bieten wir Kurse an. Heute gab es einen Erste-Hilfe-Kurs, morgen einen Tanzkurs. Im Unterricht am Morgen lernen die Geflüchteten die wichtigsten Begriffe für die Nachmittagskurse kennen“, erzählt sie weiter.
Zum heutigen Vokabular gehört zum Beispiel „Hilfe“, oder „Verband“, außerdem übt Margot Denk mit den Teilnehmenden, wie sie am Telefon am besten vermitteln können, was passiert ist. „Er sieht aus, als würde er schlafen“, sollen die Teilnehmenden z.B. sagen, wenn ein Mensch womöglich einen Herzinfarkt hatte. In Rollenspielen üben Geflüchtete und Ehrenamtliche in Paaren, wie sie jemanden in die stabile Seitenlage befördern oder wie ein Herzpatient am besten gebettet wird. Anschließend legen sich alle Teilnehmenden gegenseitig Verbände an. „Wir haben vorher überlegt, in welchem Zusammenhang sie mit körperlichen Verletzungen oder Notfällen konfrontiert werden könnten. Da die meisten gerne und viel Fußball spielen, gehen wir heute gezielt auf Dinge ein, die dort passieren können. Ich habe außerdem Hilfekarten mit den wichtigsten Begriffen auf unterschiedlichen Sprachen wie Arabisch oder Farsi mitgebracht, damit sie besser verstehen können, worum es geht“, erklärt Margot Denk. Der Unterricht läuft aber komplett auf Deutsch ab.
„Mir gefällt der Unterricht sehr gut. Ich merke dadurch, dass die Unterschiede zwischen dem, was eine Krankenschwester in Syrien macht und hier nicht sehr groß sind, das gibt mir Mut“, sagt Sheikh Hasan Abeer. Sie ist vor zehn Monaten aus Syrien nach Deutschland gekommen. „Dort habe ich als Krankenschwester gearbeitet und ich hoffe, dass ich das hier auch bald wieder tun kann.“ Sie verbringt die gesamte Woche gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer zweijährigen Tochter im Schloss Baum.

Insgesamt sind etwa 40 Geflüchtete und Ehrenamtliche bei der Begegnungswoche dabei und übernachten vor Ort. „Bei der Planung hatten wir ein wenig Sorge, ob die Geflüchteten sich darauf einlassen und schon wieder außerhalb ihrer gewohnten Umgebung übernachten wollen. Doch bis auf zwei Frauen, die am ersten Tag wieder abgereist sind, haben sich alle hier gut eingerichtet“, freut sich Christa Harms.
Neben den Nachmittagskursen gibt es weitere Angebote für die Geflüchteten. Im ersten Stock des Schlosses wurde z.B. eine Nähwerkstatt eingerichtet. An mehreren großen Tischen sitzen junge Frauen nebeneinander an Nähmaschinen und nähen Kleidung für ihre Kinder, die sie stolz vorführen. „Ich bin allen deutschen Frauen hier sehr dankbar, dass sie uns unterstützen und uns helfen, im Alltag zurecht zu kommen“, sagt Sibanun. Sie ist vor neun Monaten mit ihren drei Kindern und ihrem Mann aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. „Wir alle fühlen uns hier sehr wohl. Meine Kinder können spielen und Freundschaften schließen, mein Mann und ich lernen viel und haben auch Freunde gefunden“, erzählt sie weiter. Während sie näht, kümmert sich ihr Mann um ihre jüngste Tochter. Sie heißt Abenat und ist vor drei Monaten in Deutschland geboren. „Sie war eine Frühgeburt und hat uns allen viele Sorgen bereitet. Wir sind oft ins Krankenhaus gefahren, um sie zu besuchen“, erzählt Anke Bergmann. Sie begleitet den Nähkurs ehrenamtlich. Sibanuns ältere Töchter spielen draußen mit anderen Kindern. Diana ist acht und Atina sechs Jahre alt. „Einige der Kinder hier kannte ich vorher schon, aber hier haben wir uns besser kennengelernt. Nach den Sommerferien darf ich endlich auch zur Schule gehen. Darauf freue ich mich jetzt noch mehr, weil ich meine Freunde da wiedersehe“, erzählt Diana begeistert. Die Gruppe der Kinder setzt sich aus kurdischen, deutschen, syrischen und afghanischen Kindern zusammen. Alle sprechen Deutsch miteinander. Heute spielen sie Vater, Mutter, Kind. Andere Kinder malen mit einer Ehrenamtlichen Bilder, an einem großen Tisch gibt es Waffeln und syrische Spezialitäten. „Wir kommen hier wunderbar ins Gespräch und unterhalten uns auch über persönliche Dinge. Mich freut besonders, dass hier Syrer, Afghanen und Menschen anderer Kulturen gemeinsam mit uns Deutschen am Tisch sitzen und wir uns alle gut verstehen - so merke ich auch, dass mein Unterricht Früchte trägt, denn wir unterhalten uns immer auf Deutsch miteinander“, berichtet die ehrenamtliche Deutschlehrerin Sylvia Brandt.

Neben dem Teich hinter dem Schloss ist eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Sie wird von Alfred May geleitet. Gemeinsam mit Geflüchteten repariert er gespendete Fahrräder, die in schlechtem Zustand waren. „In meinem Heimatort habe ich auch schon eine Fahrradwerkstatt eingerichtet und festgestellt, dass sie sehr nötig ist. Im Grunde bräuchte jeder Geflüchtete ein Fahrrad, damit er sich freier bewegen kann“, erklärt er. Seine rechte Hand ist dabei Wahid Haji Taleb. „Er hilft mir sehr und ich glaube, dass er meine Fahrradwerkstatt bald schon übernehmen kann“, meint Alfred May.

Nach den Kursen des Tages gibt es am Abend ein gemeinsames Grillfest und Lagerfeuer. Heute kommen noch weitere Geflüchtete aus einer anderen Kirchengemeinde dazu. „Dann sind wir insgesamt 80, mal sehen, wie das wird“, erzählt Christa Harms. „Gestern Abend saßen einige Geflüchtete und Ehrenamtliche noch bis spät abends zusammen am Lagerfeuer. Ich lag schon im Bett und konnte sie klönen und lachen hören. Das fand ich einfach toll“, erzählt sie strahlend.

Text: Konstanze Schneider

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