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Frauen unter sich

Die Frauengruppe des evangelischen Familienzentrums Vorwerk

„Wir haben gemerkt, dass Frauen nicht zu unseren Angeboten kommen, wenn Männer dabei sind. Deswegen haben wir uns ein Angebot speziell für sie überlegt“, sagt Petra Kluske. Sie ist Leiterin des Familienzentrums Vorwerk der Diakonie Celle. Hier trifft sich jeden Dienstag eine Gruppe für geflüchtete Frauen. Das Familienzentrum liegt sehr günstig direkt neben dem Kindergarten. Um Müttern den Zugang zu erleichtern, wird außerdem eine Kinderbetreuung angeboten für Kinder, die noch keinen Kitaplatz haben. Sie spielen mit Bauklötzen oder malen an einem kleinen Tisch. Die Mütter sitzen im gleichen Raum an einem großen Tisch. Vor ihnen liegen aufgeschlagen Deutsch-Hefte. „Wir kommen hier gut ins Gespräch und unterhalten uns über dies und das. Währenddessen lernen wir ein bisschen deutsch“, erzählt Susanne Gudehus. „Oft bringt eine von ihnen etwas zu essen mit, meistens aus ihrer Heimatküche. Wir stellen Kaffee und Tee bereit“, berichtet Susanne Gudehus. Sie leitet die Gruppe.

Viele der Frauen haben, obwohl sie schon längere Zeit in Vorwerk leben, noch beinahe keine Sprachkenntnisse. „Einige Lehrerinnen und Lehrer aus der Grundschule oder die pädagogischen Mitarbeitenden aus dem Kindergarten hier sind beinahe verzweifelt, weil sie die Mütter einfach nicht verstanden haben. Außerdem haben die Frauen an Veranstaltungen wie dem Sommerfest oder Elternabenden nicht teilgenommen. Sie glauben, dass sie dort sowieso nichts verstehen werden“, meint Petra Kluske. „Dabei kann man sich auch dort mit Händen und Füßen verständigen. Wir versuchen, ihnen das Selbstbewusstsein zu geben, in solche Situationen zu gehen“, ergänzt Susanne Gudehus.

Direkt vor der Frauengruppe findet dienstags im Familienzentrum ein offenes Frühstück statt. „Unsere Hoffnung war, dass die Frauen ihre Hemmschwelle verlieren und daran teilnehmen, damit sie mit Einheimischen in Kontakt kommen. Noch trauen sie sich nicht, aber das wird bestimmt noch“, hofft Petra Kluske Am Mittwoch findet im Familienzentrum außerdem ein Kurs für Männer statt. Auch sie lernen nicht nur deutsch, sondern haben die Gelegenheit, sich über ihren Alltag auszutauschen. „Gerade nach den Vorfällen zu Silvester in Köln ist es uns wichtig, ihnen zu vermitteln, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt sind, dass sie Frauen z.B. nicht einfach anfassen dürfen“, erklärt Petra Kluske.

Das Programm in der Frauengruppe läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab: Nach der Begrüßung sagen alle Frauen kurz und möglichst auf Deutsch, wie es ihnen geht und was sie gerade beschäftigt. „Allerdings bleiben wir an der Oberfläche. Ich habe keine psychologische Ausbildung, daher kann ich Traumata hier nicht auffangen. Wenn das Thema doch mal auf die Vergangenheit kommt und ich merke, dass es schwierig wird, dann versuche ich meistens schnell abzulenken“, erklärt Susanne Gudehus. Anschließend macht sie mit den Teilnehmerinnen Grammatikübungen. So lernen sie heute zum Beispiel den Unterschied zwischen „in der“ und „im“. Der Reihe nach sagen sie Sätze wie „Der Herd steht in der Küche“, oder „Die Kinder spielen im Garten“. „Ich gehe so vor, damit alle etwas sagen, auch die schüchternen“, so Susanne Gudehus. Kommt eine der Frauen nicht weiter, hilft meist sofort eine andere.

Zwischendurch schweifen sie immer wieder ab, unterhalten sich in einem Gemisch aus arabisch und deutsch sowie mit Händen und Füßen. Alle am Tisch gehen vertraut miteinander um und lachen sehr viel. „Wenn Männer dabei sind, ist es leider nicht so ungezwungen, da trauen sie sich nicht, etwas zu sagen“, erzählt Petra Kluske. „Außerdem können sie sich ohne Männer besser nebenbei um ihre Kinder kümmern, die trotz Betreuung immer wieder zu ihnen gelaufen kommen, oder die ganz kleinen stillen“, ergänzt Susanne Gudehus. Zum Abschluss nach eineinhalb Stunden spielen die Frauen gemeinsam ein Spiel, wie zum Beispiel „Ich packe meinen Koffer“ mit den gelernten Vokabeln. „Ein positiver Abschluss ist wichtig, denn dann gehen die Frauen mit einem guten Gefühl nach Hause und kommen gerne wieder“, erklärt Susanne Gudehus.

Um die Frauen zu erreichen hat Petra Kluske sich zunächst an Beratungsstellen gewandt. „Außerdem habe ich ganz Vorwerk mit mehrsprachigen Plakaten zugehängt“, erzählt sie lachend. Der Erfolg stellte sich jedoch nicht gleich ein. „Die ersten beiden Male saßen Frau Gudehus und ich hier alleine. Doch dann kamen die ersten Frauen zu uns und es wurden nach und nach immer mehr“, berichtet Petra Kluske. Mittlerweile ist die Frauenrunde auch über Vorwerk hinaus bekannt; einige Teilnehmerinnen nehmen sogar 30minütige Busfahrten auf sich, um an der Gruppe teilnehmen zu können. „Ich finde es toll, dass sie sich trauen, hierherzu kommen. Dadurch haben sie schon einmal einen Schritt gemacht. Die nächsten sind dann weniger schwer“, meint Susanne Gudehus.

Von Konstanze Schneider

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