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Hier findet jeder seinen Platz

INCA - Das Internationale Café in Peine

„Ich komme jede Woche ins Internationale Café, denn hier fühle ich mich wohl“, erzählt Peter Sarkav Rostami. Er ist vor acht Monaten aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Nun sitzt er mit anderen Geflüchteten und Einheimischen an einem großen Tisch in der Sonne im INCA und isst Crêpes. Um den Tisch herum spielen deutsche und geflüchtete Kinder gemeinsam auf der Hüpfburg.
„Jugendliche brauchen Möglichkeiten um diakonisch handeln zu können. Sie sind die Erwachsenen von morgen und daher ist es wünschenswert, dass sie durch ein Projekt wie INCA lernen, wie sie selber aktiv werden können. Später erachten sie es dann als selbstverständlich, aktiv zu helfen und somit die Gemeinschaft stärken“, berichtet Caroline Gärtner, Diakonin des Evangelischen Kreisjugenddienstes Peine. Damit die Jugendlichen sich engagiert in das Projekt einbringen, hat sie sie im Frühjahr 2015 selbst entscheiden lassen, für wen sie sich engagieren möchten. Da in Peine zwei zentrale Flüchtlingsunterkünfte in der Nähe eines Gemeindehauses lagen, entschieden sich die Jugendlichen, Angebote für Zufluchtsuchende zu machen. „Zuerst sind wir einfach mit Spielzeug in die Flüchtlingsunterkünfte gefahren, um darüber mit Geflüchteten in Kontakt zu gekommen und sie zu unserem Internationalen Cafè einzuladen“, so Caroline Gärtner weiter. Mittlerweile gibt es das Internationale Café seit über einem Jahr, bis zu 100 Menschen kommen jeden Freitag. Die Friedensgemeinde ermöglichte es, dass die Jugendlichen auf ihrem Gelände das Café aufbauen können. Im Winter und bei schlechtem Wetter trifft man sich im großen Saal im Gemeindehaus.
Bereits etwa eine Stunde vor dem Beginn trudeln die ersten deutschen und geflüchteten Jugendlichen ein. Gemeinsam bereiten sie den Crêpeteig vor, decken die Tische, bauen die Hüpfburg auf und kümmern sich auch um alles andere, was getan werden muss. „So dauert es zwar länger, wichtig ist uns aber, dass es gemeinsam geschieht“, erklärt Diakon Rudi Mortsiefer. „Inklusion funktioniert nicht, wenn man Grenzen setzt und z.B. nur Geflüchtete einlädt. Auch Menschen mit Behinderungen, jung und alt, Kirchenmitglieder und Konfessionslose, ganz egal, bei uns sind alle herzlich willkommen. Eine ältere Dame saß z.B. in der ersten Zeit immer nur mit am Tisch und hat sich kaum beteiligt. Als aber Algerier dazu kamen, hat sie fließend französisch mit ihnen gesprochen und konnte übersetzen. Das gleiche, als Kubaner zu uns gekommen sind, denn spanisch spricht sie auch. So findet jeder bei uns seinen Platz, auch wenn es manchmal länger dauert“, ergänzt Caroline Gärtner lachend.

Im Laufe der Zeit hat sich das Internationale Café stark erweitert. Zusätzlich zum Café ist jeden Freitag die Kleiderkammer geöffnet, die Astrid Dieler leitet: „Ich hatte über meine Gemeinde gehört, dass immer wieder Sachen benötigt werden. Also habe ich meine Garage als Lager zur Verfügung gestellt, weil mein Auto ja auch auf der Straße parken kann. Doch weil so viel abgegeben wurde, reichte mein Platz nicht mehr.“ Die Kleiderkammer befindet sich nun in mehreren Räumen im Keller des Gemeindehauses und jeden ersten Freitag im Monat bietet die Kirchenkreissozialarbeiterin Jasmin Ebeling aus dem Diakonischen Werk Peine ohne Voranmeldung Einzelberatung an.


Aus dem Internationalen Café sind mittlerweile mehrere Projekte unter dem Namen „INCA“ entwachsen. So gibt es mit „INCA malt“ ein Kunstangebot und mit „INCA auf Reisen“ ein Angebot zu Ausflügen. „Wir waren in diesem Jahr schon zweimal im Erse-Park. Davon zehren wir immer noch. Wir gucken uns zusammen Fotos an und erinnern uns an diese schönen Tage“, erzählt Caroline Gärtner. Die Kontakte zwischen Geflüchteten und Peinern bestehen auch über das INCA hinaus. „Ich habe hier viele nette Leute kennengelernt und auch Freunde gefunden. Wir gehen z.B. zusammen ins Kino oder treffen uns so“, erzählt Chantal, eine Jugendliche, die im INCA aktiv ist. Auch Astrid Dieler erzählt, dass sie sich mit einer Flüchtlingsfamilie aus Montenegro angefreundet hat: „Leider werden sie bald freiwillig zurückgehen, damit sie nicht abgeschoben werden. Wir haben aber schon beschlossen, dass ich sie besuchen werde und wir in Kontakt bleiben. Hoffentlich können sie irgendwann hierher zurückkommen. Denn in Montenegro haben sie nichts.“


„Rückführung ist gerade ein großes Thema, da mehrere Familien erst kürzlich in ihre Heimat zurück mussten. Beim Abschied flossen viele Tränen und wir müssen viel darüber reden“, erklärt Caroline Gärtner.
Die Jugendlichen sprechen untereinander über das, was sie bewegt. „Wenn mir Geflüchtete über ihre Erlebnisse von Krieg und Flucht erzählen, nimmt mich das oft sehr mit. Aber ich kann gut mit Freunden und meiner Familie darüber sprechen“, berichtet Katharina Taraschewski. Die 19jährige macht seit September 2015 ihr FSJ im Evangelischen Jugenddienst Peine. Das INCA gefällt ihr besonders gut: „Hier ist immer etwas los und man lernt beinahe jeden Freitag neue Leute kennen“, erzählt sie.
Außerdem treffen sich die einheimischen und geflüchteten Jugendlichen einmal im Monat in der „INCA Quatschecke“. „Hier können sie sich auslassen über alles, was ihnen auf der Seele liegt. „Wir haben z.B. Probleme damit, dass einige Geflüchtete sich ihre Teller viel zu voll machen. Natürlich kann man das mit Flucht- oder Kriegserfahrungen oder anderen Gewohnheiten gut erklären, aber es wird auch als Geringschätzung empfunden. Eine Jugendliche hat z.B. Muffins gebacken, von denen dann viele weggeschmissen wurden, weil sich die Menschen zwar einige auf den Teller geladen haben, es ihnen dann aber doch zu viel wurde. Das war für die Jugendlichen verletzend. Wir versuchen dann gemeinsam Lösungen und eine Haltung dazu zu finden. Wir führen ihnen nun z.B. vor, dass wir uns erstmal nur eine Sache nehmen und dann nachnehmen, weil genug für alle da ist“, erklärt Caroline Gärtner.
In der INCA Quatschecke reden die Jugendlichen außerdem einmal im Monat über die bisherigen Angebote und überlegen, was anders gemacht werden könnte. Außerdem entwickeln sie neue Ideen. „INCA auf Reisen ist z.B. in der Quatschecke entstanden“, erklärt Caroline Gärtner. Häufig ergeben sich aus den Ideen wieder neue Kontakte und Vernetzungen. So wurde z.B. gemeinsam mit den Pfadfindern ein Zeltlager im INCA-Garten veranstaltet oder der CVJM war mit einem Backautomaten beim Internationalen Café.

„Wir lernen ständig neue Menschen kennen und kooperieren mit Vereinen und Verbänden vor Ort, wie „Familien für Familien e.V.“, die Patenschaften vermitteln. Mit ihnen haben wir gemeinsam eine Weihnachtsfeier ausgerichtet. Ich bin ganz gespannt, was die Zukunft für INCA noch bringt, was alles noch möglich ist“, sagt Caroline Gärtner und strahlt.

Text: Konstanze Schneider

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