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Konflikte gemeinsam lösen

Integrationsmanagement in Rotenburg

„Wir geben uns nicht damit zufrieden, die Geflüchteten nur unterzubringen. Wir wollen, dass sie hier ankommen, mit Einheimischen in Kontakt kommen und wir miteinander leben“, sagt Matthias Richter, Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg. Das mit dem Klinikum verbundene Diakonissen Mutterhaus kümmert sich mit um die etwa 400 Flüchtlinge, die seit 2015 nach Rotenburg gekommen sind

Manfred Kröger wurde als Integrationsmanager eingestellt. „Meine Aufgabe ist es zwischen Trägern, Einrichtungen, den Geflüchteten, ehrenamtlichen Mitarbeitenden und der Stadt eine gute Kommunikation herzustellen. Ich versuche zu vermitteln und Verständnis füreinander aufzubauen. Manchmal muss ich aber auch sehr hartnäckig sein und klar Partei ergreifen. Das größte Problem sind dabei Behörden, weil sie oft sehr langsam arbeiten. Bei einigen muss ich jeden Tag anrufen und nachhaken, weil z.B. die Ausstattung für einen Geflüchteten noch nicht geliefert wurde“, erklärt er.
Besonders kümmert er sich um die dezentral untergebrachten Geflüchteten. Für sie gebe es noch keine funktionierende Betreuung und Begleitung in der ersten Zeit, z.B. bei Behördengängen. „Dafür müssen wir mehr Ehrenamtliche ansprechen. Ich sehe da aber ein großes Potential in der Bevölkerung, da viele gerne helfen. Sie müssen aber noch besser begleitet und angesprochen werden“, erklärt Matthias Richter.
Als erste Amtshandlung hat Manfred Kröger Hausmeister für die beiden Gemeinschaftsunterkünfte der Diakonie in Rotenburg gesucht. „Bei uns war das ein wahrer Glücksgriff“, erzählt Dorothee Clüver strahlend. Sie ist Koordinatorin in der Flüchtlingsunterkunft „Campus Unterstedt“. In der ehemaligen Lungenklinik sind seit Dezember 2015 150 Geflüchtete untergebracht. „Unser Hausmeister ist ehemaliger Profimusiker und hat gemeinsam mit Geflüchteten eine Band gegründet. Bei unserem Tag der offenen Tür geben sie ihr erstes Konzert.“ Beim Grillen, Musizieren und Spielen entstehen wieder neue Angebote und Kontakte zwischen Rotenburgern und Geflüchteten. Eine der größten Herausforderungen bei der Integration sehen die Mitarbeitenden im gemeinsamen Bearbeiten von Konflikten, nicht nur zwischen Deutschen und Flüchtlingen, sondern auch unter den Geflüchteten selbst: „Es ist schon vorgekommen, dass wir Zimmer nicht voll belegen konnten, weil zwei ethnische Gruppen nicht miteinander ausgekommen sind“, erklärt Dorothee Clüver. Es sei noch ein langer Weg, einigen klarzumachen, dass hier andere Werte gelten als zum Beispiel im Irak. „Viele bringen ihre langjährigen Traditionen mit und lernen erst hier andere Werte und Vorstellungen kennen. Auch innerhalb der ethnischen oder religiösen Gruppen gibt es Untergruppen. Und jede dieser Abspaltungen bedeutet wieder eine andere Prägung und Sozialisation“, erklärt Cornelia Höck, Sozialpädagogin am „Campus Unterstedt“.

Eine weitere Flüchtlingsunterkunft der Diakonie befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Baumarkts. In der Unterkunft mitten in einem Wohngebiet leben zurzeit 30 Geflüchtete, 15 von ihnen sind Kinder. Die Unterkunft bietet Platz für 130 Personen. Einige Familien sollen in Containern auf dem Hof untergebracht werden. Jede Familie hat hier ein bis zwei eigene Zimmer, die sie abschließen können. „Hier muss aber an vielen Stellen noch nachgearbeitet werden. Zum Beispiel müssen Kochgelegenheiten eingerichtet werden, denn bisher kann man nur im Haupthaus kochen. Uns ist wichtig, dass die Geflüchteten ihre alltäglichen Arbeiten selbst verrichten und wir nicht für sie kochen oder waschen. Aber dafür müssen noch mehr Ressourcen geschaffen werden, sonst gibt es Krach, weil die Küche zu lange besetzt oder keine Waschmaschine mehr frei ist“, erklärt Manfred Kröger. Er setzt sich bei den Behörden und Trägern dafür ein, dass diese Dinge geändert werden. Da sein Büro sich auf dem Gelände des ehemaligen Baumarktes befindet, ist er hier immer nah dran. Er kennt die Bewohner und hat kurze Wege, um sich mit den Mitarbeitenden vor Ort auszutauschen. „Geflüchtete kommen immer mal zu mir und fragen, wann sie einen Deutschkurs machen oder wann ihre Kinder endlich zur Schule gehen und sie arbeiten können. Alle sind sehr motiviert und es frustriert sie, dass es nur langsam weitergeht. Deutschunterricht bekommen aber fast alle in der Einrichtung über Ehrenamtliche“, erzählt Manfred Kröger. „Außerdem engagieren sich unsere Mitarbeitenden enorm für die Bewohner. Wobei ich auch sehe, dass die Grenze zur Selbstausbeutung ein großes Thema ist. Man muss schauen, dass die Mitarbeitenden nicht nach der Hälfte schlapp machen. Deswegen bin ich sehr froh, dass Herr Kröger jetzt da ist und diese Aufgabe so engagiert übernimmt“, meint Matthias Richter.

Die Integration der Geflüchteten in den Ort habe laut allen Beteiligten reibungslos funktioniert. „Natürlich hatten einige Einwohner zu Beginn Ängste. Doch da wir gemeinsam mit der Stadt von Anfang an transparent mit der Situation umgegangen sind, konnten wir viele Bedenken schnell abbauen. Es gab im Vorfeld Informationsabende und wir haben alle Einwohner zum gemeinsamen Kennenlern-Grillfest eingeladen, sagt Manfred Kröger. Und ergänzt: „Nur wenn man sich kennenlernt, kann man auch gut zusammenleben.“

Text: Konstanze Schneider

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