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Selbstbewusstsein für den Alltag

Der Kurs „Fuß fassen“ der Diakonie in Laatzen

„Mir geht es heute gut, das Wetter ist schön und ich bekomme Besuch“, sagt Laila Yasin. In der Hand hält sie ein Smiley-Gesicht aus Pappe. Sie ist vor anderthalb Jahren mit ihrem Sohn und ihrer Tochter aus Syrien geflüchtet. Nun lebt sie in Laatzen. Hier besucht sie zweimal in der Woche den Deutschkurs „Fuß fassen“ des Diakonieverbandes Hannover-Land. Jede Unterrichtsstunde beginnt damit, dass die Kursteilnehmer mit einem Papp-Smiley ihre Stimmung anzeigen und sagen, wie es ihnen geht. „Die Mitarbeitenden des Umsonstladens der Diakonie haben festgestellt, dass viele Migrantinnen beinahe täglich zu ihnen gekommen sind, aber fast kein Deutsch sprechen konnten. Außerdem haben einige Mitarbeitende aus der Schwangerschaftsberatung erzählt, dass viele Migrantinnen nur mit Freundinnen, die übersetzen können, zu ihnen kommen. Wir wollten deswegen eine Art Integrationskurs anbieten. Mittlerweile gibt es „Fuß fassen“ seit drei Jahren“, erzählt Kerstin Wuthnow. Die Sozialpädagogin leitet den Kurs. Damit auch die Mütter teilnehmen können, deren Kinder noch nicht in die Kita oder Grundschule gehen, ist immer eine zweite Mitarbeiterin dabei, die sich während des Kurses um die Kinder kümmert. „Das ist wichtig, da die Kinder ihre Mütter zu sehr abgelenkt haben“, erklärt Kerstin Wuthnow.
Das Hauptmerkmal des Kurses liegt zwar auf der Vermittlung der deutschen Sprache, doch auch die deutsche Kultur und die neue Umgebung sollen den Kursteilnehmerinnen näher gebracht werden. So macht Kerstin Wuthnow immer wieder Ausflüge mit den Teilnehmerinnen und zeigt ihnen, wo sie was finden. „Wir sind zum Beispiel in die Stadtbücherei gegangen und haben gezeigt, dass die Frauen dort auch ohne Ausweis hingehen und mit ihren Kindern Bücher anschauen können. Demnächst gehen wir mit ihnen zu einem Möbelhaus. Dort können sie z.B. Utensilien für die Küche suchen. Damit lernen sie zum einen die deutschen Ausdrücke, zum anderen können sie sich gegenseitig den Weg dorthin erklären“, sagt Kerstin Wuthnow.
„Durch Ausflüge kommen alle sehr gut ins Gespräch. Wenn man nebeneinander hergeht, unterhält man sich ungezwungen und dabei lernen die Teilnehmerinnen viel“, ergänzt Sabine Laskowski. Sie kümmert sich während des Kurses um die Kinder.
Der Austausch ist ein sehr wichtiges Element im Kurs. Die Teilnehmerinnen sollen gemeinsam Übungen durchführen oder sich gegenseitig Fragen stellen. „Dabei kommen wir oft auch auf Fragen, die sie im Alltag beschäftigen. Manchmal können wir im Kurs gemeinsam die Fragen beantworten, manchmal helfen meine Kollegin und ich noch nach dem Kurs weiter. Bei sehr speziellen Fragen müssen wir auch mal weitervermitteln, z.B. an das Jobcenter oder die Migrationsberatung.“.
 

Die Teilnahme am Kurs ist freiwillig. Das bedeutet auch, dass immer andere Teilnehmerinnen kommen. Somit müssen die Kursleitungen sehr flexibel sein. Heute sind nur zwei Frauen gekommen. Die Vorbereitungen für eine Gruppenarbeit sind somit hinfällig. Stattdessen üben die Teilnehmenden nun gemeinsam, ein Formular auszufüllen. Geduldig erklärt Kerstin Wuthnow, was der Unterschied zwischen dem Vornamen und dem Namen ist und in welchen Maßeinheiten Gewicht oder Körpergröße eingetragen werden.
Die zweite Teilnehmerin heute ist Shar Muhy. Sie ist vor 16 Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflohen und lebt seitdem in Laatzen. „Ich helfe jetzt neuen Flüchtlingen dabei, sich in Laatzen zurecht zu finden. Da ich Hausfrau bin kann ich das gut machen. Ich gehe mit ihnen zu Behörden oder zu Ärzten und übersetze für sie“, erzählt sie fröhlich. „Mir macht der Kurs hier viel Spaß, ich helfe zwar hauptsächlich mit, indem ich auch hier übersetze, aber ich lerne auch immer Neues dazu.“

Um das Selbstbewusstsein der Migrantinnen zu stärken, übt Kerstin Wuthnow mit den Teilnehmerinnen Dialoge ein für Situationen, mit denen sie im Alltag konfrontiert werden. „Letzte Woche haben wir zum Beispiel geübt, in die Apotheke zu gehen um Kopfschmerztabletten zu kaufen. Natürlich antworten die Menschen nicht immer so, wie wir es einüben, aber es hilft oft, wenn sie z.B. den Satz „Ich habe Kopfschmerzen“ einfach wiederholen. Das Gegenüber merkt dann, dass sie noch nicht so gut deutsch können. Es stärkt das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen ungemein, wenn sie immer mehr Gänge ohne Hilfe erledigen können“, meint Kerstin Wuthnow.

Um den Teilnehmerinnen dabei zu helfen, Rituale der deutschen und christlichen Kultur besser zu verstehen, bereitet Kerstin Wuthnow zu speziellen Anlässen besondere Kurstage vor. „Zu St. Martin haben wir gemeinsam Kerzen angezündet und ich habe ihnen erklärt, wer Der heilige Martin war. Das gleiche habe ich auch zu Nikolaus und Weihnachten gemacht. Oft hat es für die Teilnehmerinnen direkt den Nutzen, dass sie es ihren Kindern erklären können, die dann in der Schule mitreden können“, sagt Kerstin Wuthnow.
Im Sommer letzten Jahres haben Kerstin Wuthnow und ihre Mitarbeiterinnen zu einem großen Familienfest eingeladen. „Geplant war, dass auch die Väter mitkommen. Das wollten die Mütter aber nicht, sie bleiben lieber unter sich. Als einmal ein Mann mit im Kurs war, hat man auch gleich gemerkt, dass die Stimmung eine andere war. Wenn die Frauen unter sich bleiben trauen sie sich eher etwas zu sagen. Die Männer sehen wir nur, wenn sie z.B. im Umsonstladen ein Kinderbettchen abholen sollen. Für uns in Laatzen ist es noch eine Schwierigkeit, die Männer zu erreichen. Vielleicht können wir sie über praktische Angebote zu uns holen“, überlegt Kerstin Wuthnow.

Text: Konstanze Schneider

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